Dieses Stück entstand im Rahmen von HIER=JETZT 2020, Plattform für zeitgenössischen Tanz in München

Cintia Rangel | A Carne mais barata do Mercado
Tanz: Cintia Rangel
Kostüm: Cintia Rangel und Fabio Costta

In Brasilien wird alle 23 Minuten ein junger schwarzer Mann ermordet, aber dies ist kein exklusives „Privileg“ Brasiliens. Der Völkermord an der schwarzen Bevölkerung ist ein reales und weltweites Problem, das sich von den Zeiten der Sklaverei bis in die heutigen Zeiten erstreckt und von strukturellem Rassismus unterstützt wird. Das Konzept dieser künstlerischen Forschung ist inspiriert von Seu Jorges Musik, in der der Komponist feststellt, dass „das billigste Fleisch auf dem Markt schwarzes Fleisch ist, das kostenlos tief in den Beutel geht“. In dieser Forschung fungiert Kunststoff als Vermittler und szenisches Element, das manchmal schwarz ist, wie es zum Transport von Körpern verwendet wird, und manchmal in Form einer Luftpolsterfolie erscheint, die beim Platzen der Blasen die Erinnerungen an die täglichen Schießereien in den Favelas von Rio de Janeiro weckt, der Stadt, in der ich lebte. Beabsichtigt die Forschung schließlich zu verstehen, wie der schwarze Körper lebt und wie diese Realität nachhallt? Wie können die durch alltägliche Unterdrückung verursachten Wunden transportiert und in Bewegung umgesetzt werden? Wie kann man Tanz zu einem ästhetischen/politischen Akt machen? Mehr als die Beantwortung dieser Frage ist das Ziel dieser Arbeit, diese Frage einzubringen.

Cintia Rangel studierte Kunstgeschichte an der Universität des Bundesstaates Rio de Janeiro (URJ). 2011 begann sie den Bachelor of Dance an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro (UFRJ). Sie war als gestaltende Tänzerin für die Compagnie Cia de Dança Contemporânea da UFRJ tätig und tanzte in den Shows „Veia“ (2011/2012) und „Corpos Moveis“ (2012 und 2013). Sie nahm auch am Centro Experimental de Dança Afro-contemporânea für experimentellen zeitgenössischen Afro-brasilianischen Tanz teil, mit dem sie „De onde vem a sua Dança“ (Woher kommt dein Tanz?) und „Se Maria fosse bonita“ (Wenn Maria schön wäre) (2013-2014) aufführte. Im Jahr 2015 zog sie nach München, wo sie an mehreren Projekten arbeitete, darunter der Film „Prisoner of the Body“ von Elisa Nadal und „Die Knoten des Körpers in Spucke auflösen“ von Mario Lopes. In ihrer Bewegungsforschung konzentriert sie sich darauf, das Risiko einzugehen, sich durch den RaumTempoKörper des Alltags kontaminieren zu lassen, und wie man die Bewegung zu einem ästhetisch-politischen Akt machen kann.